Senioren-Union der CSU
Erfahrung gestaltet Zukunft - Ortsverband Rehau

Der große Stadtbrand von 1817 schafft eine klassizistische Stadtanlage

Vor 200 Jahren, am 6. September 1817, wurde Rehau zum dritten Mal in seiner Geschichte von einem Großbrand heimgesucht. Das Buch „Geschichte der Kirche und Pfarrei“ von Hans Höllerich weiß über dieses Ereignis folgendes zu berichten:

„Es war am 6. September 1817, morgens um 8 ½ Uhr. Das Feuer kam in einem großen Haus aus, welches jetzt die Hausnummer 141 a/b hat (heutiges Anwesen in der Ludwigstraße 16,18,20). Wie das Feuer zum Dache hinaus war, kam gleich ein starker Ostwind und Sturm, so daß gleich die ganze Gasse , welche nach Hof an geht, in kurzer Zeit in Flammen stand und sich überall hin verbreitete. Es sind 168 Wohnhäuser nebst den Nutzungsgebäuden und 300 Scheunen, dann das Pfarrhaus, Brauhaus, Hirtenhaus, Rathaus, Landgericht, die Hammermühle und die schöne Kirche nebst allem, was dazu gehörte, total niedergebrannt. In kurzer Zeit wurde nicht nur der ganze Markt, mit Ausnahme einiger Häuser im Fichtig, bei der Hammermühle und auf dem Sattelberg, sondern auch die Kirche nebst dem Turm sowie die Pfarr- und Schulgebäude, in einen Aschenhaufen verwandelt. Um ¾ 11 Uhr hörte man noch zum letzten Male die Glocke ertönen, die letzten Seufzer einer Sterbenden. Hiermit stürzte der, wie man hört, hübsche Turm und seinen drei Glocken zusammen und nur im Krötensee dauerte der Brand der letzten Gebäude bis gegen 1 Uhr fort.“

Nachdem sich die Bewohner in den Ruinen und Kellern notdürftig für den Winter eingerichtet hatten, wurde auch das Schulhaus mit einem Notdach versehen und bald darauf der Unterricht wieder aufgenommen. Auch der Gottesdienst fand zunächst im Schulhaus statt. Im Herbst des Jahres 1818 ist dann auch die Kirche unter Dach gekommen und notdürftig für den Gottesdienst hergerichtet worden. Schon unmittelbar nach dem Brande hatte die Kreisregierung Baukondukteur Baumann aus Hof, einem tatkräftigen und modern denkenden Manne, den Auftrag erteilt, einen Plan zur Wiedererbauung des Marktes anzufertigen. Baumann erkannte den Grund der abermaligen Zerstörung von Rehau in der bisherigen Anlage des Ortes, dessen Gebäude „durch ihre Stellung ein verderbliches Ganzes bildeten, welches jegliche Rettung unmöglich machte“.

Nach neuesten städtebaulichen Erkenntnissen und Grundsätzen fertigte er damals einen Plan, der das Bild der Stadt völlig verändern sollte. Die Bürgerschaft ließ sich von den Vorzügen der neuen Anlage überzeugen und bald wurden die neuen Baulinien auf die Grundfläche übertragen. Nur zwei Häuser konnten an ihrem alten Platze stehen bleiben und alles andere verbliebene Mauerwerk wurde abgetragen. Das Bett des Perlenbaches verlegte man in den Hammermühlgraben und errichtete ein neues Wehr.

Die bedeutendste Änderung aber war die Anlage einer breiten, schnurgeraden Marktstraße als Achse eines rechtwinkligen Straßensystems. Die Ausmaße der Vorarbeiten lassen sich erahnen, wenn man weiß, dass die Auffüllung des sumpfigen Geländes am heutigen Maxplatz die Anfuhr von 24.000 Fuder Schutt erforderlich machte.

Es ist also dem Stadtbrand von 1817 und Baukondukteur Baumann zu verdanken, dass Rehau heute eine großzügig angelegte Innenstadt, breite rechtwinklig sich kreuzende Straßen und einheitliche Reihen traufenständiger Häuser hat.

Wer einen Blick auf die Stadtanlage des alten Rehaus vor 1817 werfen will, der hat in den Rehauer Heimatstuben im Museum Rehau dazu Gelegenheit. Hier führen zwei von Hans Höllerich im Maßstab 1:600 erarbeitete Stadtmodelle die gravierenden Unterschiede der historisch gewachsenen Stadt und der völlig anders gearteten klassizistischen Stadtanlage nach dem Brand von 1817 anschaulich vor Augen.

Rehau, den 02. August 2017

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