Senioren-Union der CSU
Erfahrung gestaltet Zukunft - Ortsverband Rehau

Unternehmergeist im Frankenwald – Excursion Glashütte

Rehau – 10.06.2013 – Carl-August Heinz ist ein Unternehmer von altem Schrot und Korn. Gründend auf einer mehr als 400-jährigen Familientradition leitet er heute einen Familienkonzern von weltweit mehr als 3000 Mitarbeitern mit einem Jahresumatz von 250 Millionen Euro. Der Großvater der bereits verstorbenen Ehefrau war der frühere Rehauer Stadt-Amtmann Birkner aus der Neuen Gasse in Rehau, an den sich viele ältere Rehauer noch erinnern. Diese Verbindung war Anlaß für die Einladung an die Senioren-Union unter ihrem Vorsitzenden Edgar Pöpel zu einem Besuch des Firmenimperiums in Kleintettau.

Grundlage für die heutige Holding ist die Glashütte Heinz-Glas, deren Ursprünge in das 16. Jahrhundert zurückgehen und die mit ausschlaggebend war, daß sich Glashersteller im Tettauer Winkel und den angrenzenden südthüringischen Gebieten seßhaft machten. Heute gehört das Werk zu den modernen Weltmarkführern in der Herstellung und Veredelung von Glas-Flakons für die Parfüm- und Kosmetikindustrie. Bei einem Rundgang durch das im Firmengelände angesiedelte und weltweit einzigartige Glas-Flakon-Museum konnten sich die Gäste einen Überblick über die diffizile und vom Endverbraucher kaum beachtete hohe Qualität bei der Herstellung der Flakons und einen Einblick in das Handwerk des Glasbläsers verschaffen. Die alte Glasmacherkunst war am Hafenofen hautnah mitzuerleben, Herstellmethoden als das Glas noch mit Lungenkraft der Glasmacher aufgeblasen wurde, bevor in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Halbautomaten die Glasmacherpfeife abgelöst haben. Während im Museum die traditionelle Herstellung in Einzelschritten demonstriert wurden, konnten sich die Rehauer Senioren von der Besuchertribüne aus einen Einblick in die moderne hochtechnisierte Flakonglasproduktion verschaffen. Unvergessen bleibt die faszinierende Geschwindigkeit, mit der die glühendheißen Glastropfen zu Glasflakons geformt werden.

Als nach dem zweiten Weltkrieg die Kunststoffindustrie immer mehr an Bedeutung gewann, war die Familie Heinz schnell dabei, sich für neue Entwicklungen zu öffnen. Man gründete in den 50-er Jahren die Heinz Plastics Polytech und auch diese Sparte entwickelte sich zusehends, heute gehört das Unternehmen zu den größten Herstellern von Behältern und Gefäßen im Extrusionsblasen und Spritzblasen für die Kosemetik-, Chemie- und Pharmaindustrie. Gefertigt werden auch komplexe technische Spritzgussteile für die Medizintechnik.

Da bei der Glasherstellung viel Wärme benötigt wird, befaßte sich C.-A. Heinz schon lange mit einer Nutzung der Restwärme, die bisher ungenutzt an die Umwelt abgegeben wird. Über Wärmetauscher und ähnliche Techniken wird zwar übrige Wärme, u. a. auch zur Kältegewinnung aufbereitet, für Temperaturen unter 40 Grad C aber gibt es keine sinnvolle Verwendung. So kam es zu der Vision, in einem großen Glashaus mediterrane Klimaverhältnisse zu erzeugen. „Wir wollten zwar keine Krokodile oder Piranhas züchten, aber tropische Früchte, die wir in Deutschland überhaupt nicht oder nur zu sehr hohen Preisen als Flugobst kaufen können, rückten in greifbare Nähe“ erläuterte C.-A. Heinz seine Gedanken und so wuchs die Idee, an einem Südhang in der Nachbarschaft ein 3500 qm großes Tropenhaus zu errichten und mit der laufend anfallenden Prozesswärme, die bisher ungenutzt entwich, zu beheizen. Zukünftig können so tropische Nutzpflanzen und Speisefische unter nachhaltig wirtschaftlichen Bedingungen gewonnen werden. Lange Transportwege und damit hohe Schadstoffemissionen entfallen, wenn die Produkte in einem Umkreis von 50 km zu den Verbrauchern gelangen. Inzwischen entwickelte man ein Polykultursystem, das Ressourcen wie Energie, Wasser und Nährstoffe mehrfach nutzt und so einen nahezu geschlossenen Kreislauf bildet. Das Wasser der Fischzucht dient als Dünger der Pflanzen. Diese filtern das Wasser, bevor es in die Fischteiche zurückfließt.

Die gegründete Gesellschaft konnte verschiedene Institutionen von dem Projekt überzeugen und so gehören heute das bayerische Umweltministerium, das Wirtschaftsministerium, die Universität Bayreuth, der Landkreis Kronach und die Oberfrankenstiftung zu den Trägern des Projektes. Sogar die EU ist inzwischen eingestiegen und beteiligt sich finanziell an einem deutsch-tschechischen Angebot. C.-A. Heinz will auch die in seinem tschechischen Werk in Roßbach (Hranice) anfallende Prozesswärme für eine Kopie des Frankenwald-Tropenhauses nutzen.

Um seinem Konglomerat einen weiteren Baustein hinzuzufügen, überlegte C.-A. Heinz, wie man der Verbuschung und Versteppung seiner Region entgegenwirken könne, nachdem immer mehr Landwirte ihre Felder und Wiesen wegen der fehlenden Rentabilität nicht mehr als Vollzeitlandwirte bewirtschafteten. Zusammen mit Freuden gründete er eine weitere Gesellschaft, die schottische Hochlandrinder züchtet. Der Einsatz dieser Tiere zur Beweidung der brachliegenden Flächen erscheint sinnvoller als die Beweidung mit Schafen, weil die Grasnarbe kaum zertreten wird und mit einer Weideausnutzung von über 90 % das Grasland sehr sauber und doch schonend beweidet wird. Die Tiere brauchen keine Stallungen und sie leben auch noch unter Bedingungen, die andere Rinder nicht überstehen würden. Inzwischen bewirtschaftet man mit mehr als 110 Hochlandrindern über 100 Hektar Wiesenfläche und lichten Waldbestand. Nach der Grenzöffnung haben die Tiere auch auf der thüringischen Seite Einzug gehalten.

Nach Meinung des Senioren-Union Vorsitzenden Edgar Pöpel aus Rehau „bleibt abzuwarten, was Carl-August Heinz noch alles zur Diversifizierung seiner Unternehmungen einfallen wird“.

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