Senioren-Union der CSU
Erfahrung gestaltet Zukunft - Ortsverband Rehau

Weltweites Pilotprojekt für Bioenergie in Rehau

10.000 Tonnen weniger CO-2-Ausstoß – Energieautarke Lederfabrik

Rehau – 19.09.2012 – Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, entsteht im Westen der Stadt Rehau auf dem Gelände der SÜDLEDER – PWA (Prozess-Wasser-Aufbereitung) eine Biogasanlage der etwas anderen Art. Die bisherigen Biogasanlagen werden in letzter Zeit in Deutschland etwas skeptischer betrachtet, weil zur Gaserzeugung landwirtschaftliche Erzeugnisse gebraucht werden. Nach Meinung der Kritiker ist der Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln zum Kampf gegen den Hunger in der Welt sinnvoller. Bei SÜDLEDER werden ausschließlich Produktionsabfälle für die Bioenergiegewinnung verwendet.

Bei der im Jahre 1979 in Rehau etablierten SÜDLEDER GmbH & Co KG macht man sich seit langem Gedanken über eine bessere Verwendung der bei der Herstellung anfallenden Abfälle. Während früher in den einheimischen Rehauer Lederfabriken täglich etwa 500 Tierhäute verarbeitet wurden, sind dies heute bei SÜDLEDER etwa 3000 bis 3500, und damit fallen natürlich auch entsprechende Mengen von Rückständen an. Bereits seit drei Jahren betreibt das Unternehmen eine hausintern entwickelte Anlage, in der aus Leimleder Fett gewonnen und zur Wärmeerzeugung verwendet wird. Etwa die Hälfte der im Unternehmen benötigten Wärmemenge wird dadurch gedeckt. Bei der Besichtigung der neuen innovativen Anlagen durch die Senioren-Union Rehau erklärte der für diesen Bereich zuständige Mitarbeiter Dr. Thomas Heinzig den Besuchern das Verfahren anschaulich.

Zuvor hatten der Geschäftsführer Peter Pöppel und seine Mitarbeiterin Dr. Beate Haaser die Senioren durch das Gelände der PWA und der vor der Fertigstellung befindlichen Biogasanlage geführt. Bevor man sich für den Bau entschieden hat, wurden in einer Versuchsanlage im Labormaßstab die Wirkungen und Reaktionen der anfallenden Reststoffe getestet. Auf Erfahrungen mit der Verarbeitung der Rückstände aus der Fettgewinnung und der Abwasserbehandlung konnte man kaum zurückgreifen, also mußte man sich die Erkenntnisse selber erarbeiten. Nach der ersten Idee vergingen Jahre und es erfolgten natürlich auch Rückschläge, bis man sich an die Planung für die Anlage wagen konnte.

Das Herz der neuen Anlage sind die zwei zwanzig Meter hohen Fermenter mit einem Durchmesser von jeweils achtzehn Metern, diese haben ein Fassungsvermögen von jeweils 4500 Kubikmetern. Die aus Stahl erstellten Türme bekommen eine Isolierung und werden mit einer Aluminiumverkleidung versehen. Der erste Fermenter ist im Rohbau bereits fertig. Für den zweiten wird derzeit am Boden der Deckel oder besser das Dach gebaut, das ein Gewicht von 28 Tonnen haben wird und gegen Mitte Oktober mit dem Kran nach oben gehievt werden soll. Der Abbauprozeß, an dessen Ende die Gewinnung des Methangases steht, erfolgt in den Fermentern in verschiedenen biochemischen Phasen. Die kontinuierliche Beschickung erfolgt aus zwei Vorlagebehältern. Die gesamte Anlage steht aus Gewässerschutzgründen in einer Auffangwanne. In einem Technikgebäude ist ein kleines Blockheizkraftwerk untergebracht, dieses erzeugt die für die Vergärung in den Fermentern notwendige Wärme und Strom. Die verbleibenden Gärreste können weiterverarbeitet, bzw. der Verbrennung oder der Deponierung zugeführt werden.

Der größere Teil des gewonnenen Biogases gelangt über eine bereits gebaute Gasleitung zurück zu der Lederfabrik in der Gerberstraße, wo es im Blockheizkraftwerk in thermische und elektrische Energie umgewandelt wird. Man erhofft sich eine Energieerzeugung, mit der die gesamte Produktion der SÜDLEDER nachhaltig mit regenerativer Energie in Form von Strom und Wärme versorgt werden kann.

Geschäftsführer Peter Pöppel betonte, daß bei der Auftragsvergabe Spezialfirmen aus den neuen Bundesländern und möglichst Betriebe aus der Nähe berücksichtigt wurden. Die gesamte Anlagentechnik wurde der REHAU-Tochter REHAU Energy Solutions übertragen. Die Inbetriebnahme der Anlage soll im Dezember erfolgen, die Kosten liegen im Rahmen der ursprünglichen Planung und werden in der Summe etwa 5 Mio € betragen, die Bezuschußung durch den Bund liegt unter 30 %. Es wurde errechnet, daß bei Betrieb der beiden umweltfreundlichen Anlagen – Fettgewinnung und Bioenergiegewinnung – der Kohlendioxid-Ausstoß des Werkes um 10.000 Tonnen vermindert werden kann.

Zum Schluß der Besichtigung wurde den Besuchern der Senioren-Union ein Film der SÜDLEDER vorgeführt. Dabei wurde verdeutlicht, wie die 1 Million Häute pro Jahr verarbeitet werden, wie die Hightech und die Computertechnik inzwischen Einzug in die Fertigung gehalten haben, welche Bedeutung die Qualitätskontrolle hat und wie wichtig die Nachwuchsförderung und die permanente Weiterbildung der Mitarbeiter für das Unternehmen ist. Edgar Pöpel als Vorsitzender der Senioren-Union Rehau bedankte sich für umfangreiche Information und er freute sich, daß er bei der Entwicklung der SÜDLEDER GmbH & Co KG als früherer Bürgermeister der Stadt Rehau mitwirken konnte.

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