Senioren-Union der CSU
Erfahrung gestaltet Zukunft - Ortsverband Rehau

Vor 200 Jahren kam Rehau zum Königreich Bayern

Rehau – 14.06.2010 – Mit Glück im Unglück kann man die Entwicklung der Stadt Rehau zu Anfang des 19. Jahrhunderts beschreiben. Ein Unglück war es, daß am 6. September 1817 in der heutigen Ludwigstraße ein Brand ausbrach, der in kürzester Zeit nahezu die gesamte Innenstadt in Schutt und Asche legte. Es war der letzte große Stadtbrand, der Rehau getroffen hat. Das Glück dazu war, daß das 1791 durch Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander an Preußen verschacherte Fürstentum Bayreuth nach dem Sieg Napoleons im Jahr 1806 unter französische Verwaltung kam und im Jahr 1810 an das Königreich Bayern verkauft wurde. König Maximilian I. Joseph beauftragte nach dem Brand den Hofer Baukondukteur Baumann mit der Planung und dem Wiederaufbau der Stadt nach modernen Gesichtspunkten. Später berichtete Goethe bei einer seiner Reisen in die böhmischen Bäder nach der Fahrt durch Rehau von „einem wohldurchdachten Plan, der sich durch rechtwinklige, regelmäßige und großzügige Straßen auszeichne“.

Die Senioren-Union der CSU Rehau nahm den Besuch des Hofer Histrikers Dr. Axel Herrmann zum Anlaß, an der Granitstele zu Ehren des bayerischen Königs Max I. an der Nordseite des Maxplatzes mit einem Lorbeerkranz zu gedenken, ganz im Stil des bayerischen Königshauses aus dem Hause Wittelsbach.

Am 30. Juni 2010 wird nicht nur der neue Bundespräsident gewählt, es ist nicht nur der erste spielfreie Tag bei der Fußball-WM, an diesem Tag sind es genau 200 Jahre her, daß der Verkauf des Fürstentums Bayreuth an das Königreich Bayern im Neuen Schloß in Bayreuth vertraglich unterzeichnet wurde. Die Senioren-Union der CSU Rehau hatte sich dazu im Vorfeld mit Oberstudiendirektor Dr. Axel Herrmann einen profunden Kenner zu einem Vortrag in das VfB-Heim eingeladen.

Die zahlreichen Zuhörer, die sich diesen Vortrag nicht entgehen lassen wollten, wurden nicht enttäuscht. Dr. Herrmann rief die genauen Daten vor und nach der Vertragsunterzeichnung ins Gedächtnis zurück. Bereits 1791 hatte der letzte in Ansbach und Bayreuth regierende Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander die beiden Fürstentümer an das Königreich Preußen gegen eine lebenslange Rente verkauft, er selber zog sich nach England zurück. Max Josef, seit 1795 noch als Wittelsbacher der pfälzischen Linie in Pfalz-Zweibrücken zuhause, war in seinem Stammland nicht gerade glücklich, weil die Franzosen schon nahe an den Rhein gerückt waren. Ihm kam es gerade recht, daß er nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher Linie das Kurfürstentum Bayern übernehmen und seinen Sitz nach München verlegen konnte.

In Frankeich war nach der Revolution Napoleon Bonaparte an die Macht gekommen. Er schlug seine bekannten Schlachten im Osten gegen Österreich und Preußen, Bayern hatte er seinerzeit als Verbündete gewonnen. Am 1. Oktober 1806 hatte Preußen Frankreich den Krieg erklärt. Eine entscheidende Schlacht war die von Jena-Auerstedt am 14. Oktober 1806, in der die Preußen geschlagen wurden und in deren Folge u. a. das Fürstentum Bayreuth als Kriegsbeute unter französische Verwaltung gestellt wurde. Am 01.01.1806 hatte der Franzose das Kurfürstentum Bayern zum Königreich erhoben. Aus dem Fürsten Max Josef wurde König Maximilian I. Josef. Auf Druck Napoleons wurde Bayreuth im Jahr 1810 für 15 Mio Gulden dem Königreich Bayern zugeschlagen. In der Folgezeit mußte Napoleon seine Großmannssucht mit Niederlagen bezahlen, gravierend 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig. Bayern hatte sich inzwischen den Allierten zugewandt.

Das Hofer Land mußte wirtschaftlich schwere Zeiten überstehen. Der Referent berichtete von großer Not aufgrund schlechter Ernten wegen Vulkanwolken aus Indonesien und wegen Krankheitsepedemien, dazu kamen große Probleme wegen der bis 1814 geltenden Kontinentalsperre. Die politischen Rollen des Hofers Johann Georg August Wirth und vor allem des rationalen und nüchternen Staatsmannes Montgelas für Bayern und eines der fähigsten Staatsmänner der damaligen Zeit Hardenberg für Preußen wurden beleuchtet. Hof spielte gegenüber Bayreuth und Kulmbach eine untergeordnete Rolle, erst 1842 wurde die Stadt Hof gleichgestellt. Die Entwicklung der vorindustriellen Wirtschaft wurde gefördert von dem Übergang der absolutistischen in die konstitutionelle Monarchie, auch im Zusammenhang mit der ersten bayerischen Verfassung aus dem Jahre 1818, deren liberaler Geist dem Aufbau zugute kam.

Als König Maximilian I. Joseph am Jahre 1825 starb, hatte er immerhin die Staatsschulden von 30 Mio Gulden im Jahre 1806 auf 10 Mio Gulden reduziert, für die damalige Zeit eine beachtliche Leistung.

K.F.

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